Chronik

Tribüne Nordseite Wormser Kaiserdom
Tribüne Nordseite Wormser Kaiserdom

Die Nibelungen-Festspiele wurden 2002 mit der Vision eröffnet, eines der bedeutendsten Werke mittelalterlicher Epik einem breiteren Publikum wieder ins Bewusstsein zu rufen und damit auch den Originalschauplatz der Nibelungensage bekannter zu machen: die Stadt Worms – einst wichtiges Zentrum für geistiges, kulturelles und politisches Wirken in Europa.

Von Beginn an sind die Festspiele ein großer Erfolg und zählen innerhalb weniger Jahre zu den bekanntesten Open-Air-Festivals. Auf den Stufen vor dem imposanten Wormser Kaiserdom, auf denen einst Kriemhild und Brünhild ihren legendären Königinnenstreit ausgetragen haben sollen, stehen jährlich die bekanntesten Schauspieler aus Theater, Film und Fernsehen und zeigen die Vielfalt, die der Nibelungenstoff in sich trägt. Die gesamten deutschsprachigen Medien kommen im Sommer nach Worms und berichten von den eindrucksvollen Inszenierungen. Die Festspiele erreichen jährlich ein großes Publikum, sei es live vor Ort oder bei den Fernsehübertragungen von ZDF oder SWR am heimischen Bildschirm und bescheren der Stadt am Rhein eine hohe Aufmerksamkeit.
Seit 2015 ist der erfolgreiche Filmproduzent Nico Hofmann Intendant der Nibelungen-Festspiele. Er macht Worms zur Stätte von qualitativ hochwertigen Uraufführungen, die das Nibelungenthema von einer neuen Seite beleuchten und vertiefen.


Leitbild Nibelungen-Festspiele

1. Die drei wichtigsten Handschriften des hochmittelalterlichen Nibelungenliedes zählen seit 2009 zum UNSECO-Weltdokumentenerbe. Damit gehört der Stoff wie die Gutenberg-Bibel oder Goethes literarischer Nachlass zu den deutschen Beiträgen, die die Vielfalt der weltweiten Kulturgeschichte nachhaltig prägten. Die Dichtung hat das Werk in Worms verortet. Die Nibelungen-Festspiele bewahren und fördern dieses Erbe.

2. Die Nibelungen-Festspiele rücken seit ihrer Gründung im Jahr 2002 den Nibelungenstoff einem breiten Publikum wieder ins Bewusstsein. In jedem Sommer wird der große Stoff am Spielort des Epos, vor dem Wormser Dom, mit Uraufführungen auf höchstem Niveau präsentiert. Die Festspiele zählen mittlerweile mit ihren Star-Ensembles und den hervorragenden Besucherzahlen zu den großen renommierten nationalen Open-Air-Veranstaltungen und machen die rheinland-pfälzische Kultur überregional bekannt. Das zeigt sich an der hochwertigen, breit gestreuten Medienresonanz und der überregionalen Herkunft der Besucher.

3. Die Festspiele beauftragen zeitgenössische Autoren mit Neubearbeitungen des Nibelungenstoffs, die als Uraufführungen auf der Bühne vor dem Dom inszeniert werden und dem Publikum im Spannungsfeld von Überlieferung und Gegenwart die großen Linien von Stoff, Geschichte und Gesellschaft vermitteln.

4. Die Festspiele tragen zur Identitätsbildung der Stadt Worms, der Region Rheinhessen, des Bundeslandes Rheinland-Pfalz und der Metropolregion Rhein-Neckar bei. Worms knüpft damit an seine historische Bedeutung als wichtiges Zentrum europäischer Kultur an und unterstreicht die Bedeutung von Kultur als Standortfaktor für die Stadt.

5. Der Nibelungenstoff als eine der großen Erzählungen Europas gibt in seiner Überlieferung auch Einblick in die deutsche Erinnerungskultur und deren Wahrnehmung von außen. Auf der Ebene seiner mythischen Bilder ist er mit anderen großen Erzählungen der Welt verbunden, vom sumerischen Gilgamesch-Epos über die griechische Ilias bis zum Rolandslied, ein altfranzösisches Versepos.

6. Die jährlichen Uraufführungen und der Autorenwettbewerb geben zeitgenössischen Künstlern die Gelegenheit sich dem Stoff und der großen Bühne zu nähern. Das Kulturprogramm und die Kinder- und Jugendaktionen vermitteln den unterschiedlichsten Zielgruppen im Publikum das Erbe.

7. Die Nachhaltigkeit des Festspielprojekts wird durch die Einbindung in regionale Fördernetzwerke und durch die Entwicklung institutionalisierter städtischer Kompetenz im Kultur- und Veranstaltungsbereich gewährleistet. Die Nibelungenstadt Worms betrachtet die Festspiele als Leuchtturm ihres nibelungischen Kulturprofils.

Planung Nibelungen-Festspiele 2018-2022
In den ersten drei Jahren der Intendanz von Nico Hofmann entstanden drei Inszenierungen auf der Basis der Trilogie von Albert Ostermaier, dem es gelungen ist, eine große Nibelungentrilogie zu verfassen, die den Nibelungenstoff aus drei sehr unterschiedlichen Blickwinkeln befragt hat. Mit den Festspielen 2018 übernimmt Nico Hofmann bis zum Sommer 2022 für weitere fünf Jahre die Intendanz der Nibelungen-Festspiele. Für diese Zeit wird der Dramaturg Thomas Laue ihn als Künstlerischer Leiter begleiten. Folgende künstlerische Leitlinien sind für die nächsten fünf Jahre konzipiert:

Schwerpunkt I
2018-2020 – Die Nibelungen-Festspiele als Ort der großen Uraufführungen: drei hochkarätige Autoren / drei Top-Regisseure / drei Mal die Nibelungen
In den kommenden Jahren sollen die Nibelungen-Festspiele ein Ort des großen und gleichzeitig publikumswirksamen Autorentheaters sein. Wie bereits in den vergangenen Jahren wird jedes Jahr ein hochkarätiger Uraufführungstext Ausgangsbasis und künstlerisches Zentrum der Festspiele sein. Dafür sind zunächst drei Jahre bei den Festspielen von 2018-2020 als nächste Etappe vorgesehen. Anders als in den vergangenen Jahren wird es keine Trilogie von einem einzelnen Autor geben, sondern jedes Jahr ein anderer Autor den Uraufführungstext liefern, der dann unter einer künstlerisch hochwertigen Regie und mit guten und prominenten Schauspielern vor dem Dom in Szene gesetzt wird. Nachdem Albert Ostermaier mit seinen drei Stücken in den vergangenen Jahren den Nibelungenmythos sehr frei umspielt hat, werden sich die Autoren der kommenden drei Jahre wieder näher an den Ur-Stoff der Nibelungenerzählung heranbewegen. Auch sie werden ihn deutlich und klar lesbar von heute aus befragen, sich inhaltlich aber in unterschiedlichen Lesarten wieder stärker mit der Grundgeschichte beschäftigen.

2018
Das Autorenduo Feridun Zaimoglu und Günter Senkel gehört zu den sprachmächtigsten dramatischen Stimmen des deutschsprachigen Theaters, mit „Siegrieds Erben“ haben sie 2018 eine konsequente Fortsetzung der Nibelungengeschichte geschrieben. Sie knüpfen dort an, wo die Erzählung des Mythos endet. Nach dem tödlichen Gemetzel auf Etzels Burg macht sich der Hunnenkönig nach Worms auf, um dort sein Erbe einzufordern: den sagenumwobenen Schatz der Nibelungen. Regie führte 2018 der viel beachtete Schweizer Roger Vontobel, zum prominenten Ensemble gehörten unter anderem Jürgen Prochnow, Ursula Strauss, Linn Reusse, Bruno Cathomas und Jimi Blue Ochsenknecht.

2019
Inszenieren wird die erfolgreiche Regisseurin Lilja Rupprecht, das Stück schreibt der renommierte Dramatiker Thomas Melle, der u. a. durch sein autobiografisch geprägtes Buch „Die Welt im Rücken“ bekannt geworden ist, das 2016 auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises stand. Unter dem Arbeitstitel „Überwältigung“ untersucht Thomas Melle vor allem die Wirkmächtigkeit von Göttern und Schicksal und ihren Einfluss auf das menschliche Machtstreben von Hagen und den Burgundern.

2020
Ferdinand Schmalz schreibt für die Festspiele das Königinnendrama der Nibelungen: Diesmal werden die Frauen, vor allem Brünhild und Kriemhild, im Zentrum stehen. Sie und nicht die Männer werden die treibende Kraft der Geschichte sein. Der österreichische Dramatiker Ferdinand Schmalz gehört zu den derzeitigen Shootingstars der deutschsprachigen Theaterlandschaft. Bereits sein Debütstück „am beispiel der butter“ wurde 2014 zu den Mülheimer Dramatikertagen eingeladen. Seine weiteren Stücke entstanden als Auftragswerke unter anderem für das Schauspiel Leipzig, das Deutsche Theater Berlin, das Zürcher Schauspielhaus und das Burgtheater Wien, wo im Februar 2018 seine Adaption des „Jedermann“ von Hugo von Hofmannsthal uraufgeführt wird.

Schwerpunkt II
2021 – Das Lutherjahr und der Reichstag zu Worms
Nach drei Inszenierungen, in denen der Nibelungenmythos umspielt und mit neuen Interpretationen befragt wurde, wird das Jahr 2021 die große Ausnahme sein. Nicht die Geschichte der Nibelungen wird im Zentrum der Festspiele stehen, sondern der Reformator Martin Luther. 2021 jährt sich zum 500. Mal der Reichstag zu Worms. Im Rahmen dieses Reichstages wurde Martin Luther aufgefordert, seine Wittenberger Thesen und die von ihm in Büchern verbreiteten reformatorischen Schriften zu widerrufen.
Das Jahr 2021 widmen die Nibelungen-Festspiele deshalb nicht dem Mythos der Nibelungen, sondern den historischen Ereignissen rund um den Reichstag und Martin Luther. Damit erzählen und verarbeiten wir Geschichte genau an dem Ort, an dem sie sich vor 500 Jahren zugetragen hat. Es wird ein Stück entstehen, das von Martin Luther handelt, von seinem Leben und davon, wie er mit seinen Gedanken die Welt verändert hat. Damit werden die Nibelungen-Festspiele im Wormser Lutherjahr 2021 zum zentralen inhaltlichen Ankerpunkt der Gesamtfeierlichkeiten und einmal mehr zum theatralen Großereignis. Die Inszenierung der Festspiele wird eingebettet in ein umfangreiches Jahres- und Rahmenprogramm: Sowohl der Festspiele selber als auch der Stadt Worms.

Schwerpunkt III
2022 – Worms und die Nibelungen / Eine Stadt schaut dem Mythos ins Gesicht und sieht sich dabei selbst
Nachdem der Nibelungenreigen zugunsten Martin Luthers unterbrochen wurde, wird im Jahr 2022 wieder zum Mythos der Nibelungen zurückgekehrt, und damit zu dem, was die Nibelungen-Festspiele besonders und unverwechselbar macht. Im Jahr 2022 wird es wieder ein zentrales Stück auf der Hauptbühne vor dem Dom geben. Von dort soll auf eine theatrale Reise in die Stadt Worms hinein ausgeschwärmt werden. Während der Festspieltage wird die Geschichte der Nibelungen überall in der Stadt erzählt, verschiedene Orte des Mythos bespielt und möglicherweise die Stadt Worms mit einem großen Stationendrama begangen werden, bevor das Spiel vor der schönsten Festspielkulisse Deutschlands beginnt: vor dem 1000 Jahre alten Kaiserdom.

Ticket-Hotline: 01805-337171*

*0,14 €/Min. aus dem dt. Festnetz / Mobilfunk max. 0,42 €/Min

 

Nibelungenfestspiele gGmbH
der Stadt Worms

Von-Steuben-Straße 5
67549 Worms
Telefon 06241-2000-400
E-Mail schreiben

Stadt Worms