Matthias van den Höfel siegt beim Finale des Autorenwettbewerbs der Nibelungen-Festspiele 2019 mit „Wind von Norden“

15.07.2019

Publikumspreis geht an Eva Maria Sommersberg

Den zum dritten Mal ausgerichteten Wettbewerb für junge Autoren gewann am Samstag im Finale der 32-jährige Matthias van den Höfel. Er durfte sich über ein Preisgeld von 10.000 Euro sowie eine Uraufführungsoption im Rahmenprogramm der Festspiele 2020 freuen. Sein Stück „Wind von Norden“ handelt von Hagen, der nach dem Gemetzel bei Hunnenkönig Etzel noch am Leben ist und vor der Rache Kriemhilds nach Rom flieht. Doch schon bald steht Kriemhild begleitet von einem Hunnenheer vor den Toren der Stadt. Der vom Freundes- und Förderkreis der Nibelungen-Festspiele e. V. gespendete Publikumspreis in Höhe von 2.000 Euro ging an Eva Maria Sommersberg und ihr Stück „Eines Morgens in aller Frühe lag der Feind in meinem Bett“.

Insgesamt fünf Finalisten zu denen neben den Preisträgern Matthias van den Höfel und Eva Maria Sommersberg, auch Thyl Hanscho, Peter Thiers und Jannik Koppenhagen zählen, konnten sich aus 42 Bewerbungen aus dem gesamten deutschsprachigen Raum durchsetzen. In Monaten der Schreibarbeit hatten sie Texte zum diesjährigen Thema „Hagen“ verfasst. In einer szenischen Lesung wurden am Samstag im Finale des Autorenwettbewerbs im Wormser Theater die Texte auf die Bühne gebracht. Regie führte Oliver D. Endreß, der bereits seit Beginn des Autorenwettbewerbs 2015 die Inszenierung der Lesungen umsetzt. Es spielte ein fünfköpfiges Schauspielensemble mit Felicity Grist, Agnes Mann, Peter Elter, Jonas Herkenhoff und Johanna Graen. Die Entscheidung war für die Jury und das Publikum alles andere als leicht, näherte sich doch jeder Beitrag auf jeweils ganz unterschiedliche Weise dem Thema und überzeugte durch Qualität sowie Einfallsreichtum. Dennoch fiel dann einstimmig die Entscheidung der Jury, den diesjährigen Autorenpreis Matthias van den Höfels „Wind von Norden“ zu verleihen.

Aus der Begründung der Jury: „Van den Höfel wagt eine bemerkenswerte Setzung. Er lässt Hagen genau in der Zeit leben, in der auch das Nibelungenlied spielt, erzählt mit dem Wormser Romflüchtling aber doch eine aktuelle Geschichte von Ichsuche, Bindungslosigkeit und dem Stress eines Lebens der genussvollen Selbstoptimierung. Dann fallen die Hunnen in das kulturelle Zentrum Europas ein. Aus einem Gerücht wird Gewalt und aus Gewalt die Lust am Krieg. Matthias van den Höfel findet auch dafür einen eindringlich poetischen Sound. Er schenkt seinen Figuren eine jeweils eigene Sprache, die in keine andere Zeit passen muss als in die, in der sie sich bewegen. Dabei mixt er Alltags- und Kunstsprache, kombiniert lyrische Passagen mit starken Dialogen und sorgt mit rhythmischen Wechseln für einen Spannungsbogen bis hin zum Ende.“

Zur Jury gehören der freie Theater- und Literaturkritiker Jürgen Berger, die Lektorin und Co-Verlagsleiterin der Sparte „Theater & Audio“ beim S. Fischer Verlag Bettina Walther, der Dramaturg und Künstlerische Leiter der Festspiele Thomas Laue, der Schauspielintendant des Nationaltheaters Mannheim Christian Holtzhauer und Schirmherr und Autor Feridun Zaimoglu.

Neben der Jury kürt auch das Publikum seinen favorisierten Beitrag. Das Preisgeld von 2.000 Euro stiftet der Freundes- und Förderkreis der Nibelungen-Festspiele e. V. Die Gewinnerin Eva Maria Sommersberg gibt in ihrem Stück „Eines Morgens in aller Frühe lag der Feind in meinem Bett“ einen Vorgeschmack darauf, wie es den Männern ergeht, wenn die Frauen nicht mehr mitspielen und sich im Schutz einer psychiatrischen Klinik daran machen, ihre Geschichte künftig selbst zu schreiben.



Foto Freundeskreis, Jury und Gewinner des Autorenwettbewerbs 2019. v. l. für den Freundeskreis Dr. Ulrich Oelschläger, Dr. Sabine von Ehrlich-Treuenstätt, Künstlerische und Technische Betriebsdirektorin Petra Simon, die Gewinner Matthias van den Höfel und Eva Maria Sommersberg, die Jurymitglieder Christian Holtzhauer, Jürgen Berger und Thomas Laue (auch Künstlerischer Leiter der Festspiele).
Fotocredit: Bernward Bertram

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